Der Diskurs über die Besonderheit des ästhetischen Lernens ist Bestandteil und Voraussetzung jeder Qualitätsdebatte, die nicht nur die Qualität von Strukturen und Methoden der Kulturellen Bildung im Blick hat, sondern auch die Qualität der Bildungsprozesse des Individuums.
Individuelle Bildungsprozesse stehen im Fokus dieser Fachtagung. Der zentralen Frage „Wie gelingt ästhetisches Lernen?“ nachzugehen heißt, individuelle ästhetische Wahrnehmungs- und Gestaltungsprozesse zu analysieren und die Bedingungen für ihr Gelingen zu verstehen. In performativen und interdisziplinären Erfahrungsräume können sich die Teilnehmenden der Spannung von Denken und Empfinden aussetzen, die den Eigensinn und die Eigenart des ästhetischen Lernens ausmacht. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis schaffen den Rahmen für eine dichte Diskursatmosphäre.
Studien belegen die ungebrochen hohe Selektivität von Kunst und Kultur und die Exklusion eines Großteils der jungen Bevölkerung. Die Subjektorientierung der Konzepte des ästhetischen Lernens bietet Lösungsansätze, um das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Kunst und Kultur zu wecken und Zugänge zu öffnen. Die Tagung muss deshalb über den individuellen ästhetischen Lern- und Erfahrungsprozess hinaus auch die Prozesse der Vermittlung in den Blick nehmen. Kunstvermittlung die sich als Vermittlungskunst begreift, vermittelt kein Wissen über Kunst, sondern knüpft an Neugier, Entdeckerfreude, Beobachtungsgabe, Lust auf das Unbekannte und Empathiefähigkeit an – an Fähigkeiten also, die Kinder und Jugendliche schon mitbringen.
Wir müssen unsere künstlerischen und pädagogischen Standards überprüfen. Es gilt, Veränderungen der Lebenswirklichkeit – allen voran die Digitalisierung der Gesellschaft – und ihre Auswirkungen auf den Bildungsprozess zu berücksichtigen. Seit vielen Jahren fordert die BKJ von der Politik: Bildung neu denken! Es gilt aber auch, diese Forderung in der künstlerischen und kulturpädagogischen Praxis zu verwirklichen!